Erektile Dysfunktion durch falschen Medienkonsum

Die wenigsten sprechen darüber, aber rund 75% der Männer konsumieren regelmäßig Pornografie. Besonders die Revolution des Internets macht es möglich aus einer riesigen Auswahl an pornographischen Inhalten zu wählen.

Das Überangebot und die große Konkurrenz der Internetanbieter hat auch die Natur der Pornografie verändert. Sie werden immer realitätsfremder und decken eine Vielzahl an unrealen Situationen und Fetischen ab. Genau in dieser Irrealität begründet sich ein neuer Forschungsansatz zum Thema pornoinduzierte Impotenz. Dieses Phänomen wird erst kürzlich wissenschaftlich verfolgt, nachdem die Berichte über Potenzprobleme bei realen Partnern zunahmen.

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Die Desensibilisierung

Pornografie stand schon lange unter dem Verdacht die männliche Libido negativ beeinflussen zu können. Mit dieser Frage setzte sich eine jüngst veröffentlichte Studie des Max Planck Instituts auseinander. Die Probanden wurden über längere Zeit auf ihre sexuellen Reize hin überprüft. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass bei Männer die extensiv Pornografie konsumieren bei erotischen Videos und Bildern das Belohnungszentrum im Gehirn weniger stimuliert wird als bei Männern, die wenig oder keine Pornografie konsumieren. Diese Auswirkungen werden in der Studie mit der Desensibilisierung des Sexualtriebes begründet.

Diese Desensibilisierung wurde bereits in einer früheren aber größer angelegten Studie des italienischen Forschers Carlos Forster erkannt. In der Studie wurden 28.000 Männer über mehrere Jahre auf deren sexuellen Reize getestet. Die Analyse der gesammelten Daten zeigt eindeutig ein Rückgang der Libido und der sexuellen Reize bei Männern mit extensivem oder häufigem Porno-Konsum.

Was führt zu dieser Desensibilisierung?

Laur Erklärungen der Wissenschaftler sei die Desensibilisierung durch Pornografie in der oft produzierten Übertreibung oder Irrealität der pornographischen Inhalte begründet. Besonders in pornographischen Videos werden oft Begebenheiten und Fetische dargestellt die im realem Leben meist nicht möglich sind. Der Geschlechtsverkehr mit realen Partnern werde daher oft als begrenzt oder langweilig empfunden und kann daher nicht genügend sexuelle Reize auslösen.

Forster beschreibt auch ein zusätzliches Phänomen, das hauptsächliche bei Teenagern und Jugendlichen auftritt, bei denen die sexuelle Erfahrung mit Pornografie meist vor dem ersten realen Geschlechtsverkehr kommt. So werde das Sexualgehirn bereits beschränkt erlernt und sexuelle Reize beschränken sich auf auditive und optische Reize. Berührungen, Gerüche und Emotionen können daher schwerer sexuelle Reize auslösen.

Wie führt die Desensibilisierung zu Potenzproblemen

Das Erreichen einer Erektion hat immer auch eine psychologische Komponente im Gehirn. Eine sehr wichtige Voraussetzung zum Erlangen einer Erektion ist die Ausschüttung des Sexualhormons Dopamin. Dieses wird in Mengen ausgeschüttet, die direkt von der Intensität der sexuellen Erregung abhängt. Das Dopamin ist dafür zuständig den Blutfluss im Penis zu ermöglichen. Die direkte Korrelation zwischen sexuellen Reizen und der physischen Erektion führt dazu, dass bei einer fehlenden oder unzureichenden sexueller Stimulation eine Erektion nicht möglich oder nicht ausreichend ist. Die sexuelle Desensibilisierung durch Pornografie und die dadurch fehlenden sexuellen Reize können also Potenzprobleme bei realen Partnern auslösen. Das Problem ist bei einer Stimulation durch Pornografie nicht gegeben, da das Gehirn bei diesen genügend sexuelle Reize produzieren kann. Auch eine Porno-induzierte komplette Erektile Dysfunktion ist dadurch möglich.

Können Potenzprobleme behandelt werden

Bei einer erektilen Dysfunktion gibt es immer die Möglichkeit das Problem kurzfristig anzugehen oder langfristig an den Gründen der Impotenz zu arbeiten. Da eine Potenzstörung verschiedene Gründe haben kann, ist es wichtig, diese vor einer Behandlung für eine erfolgreiche Therapie, genau zu identifizieren. Kurzfristig können bei Potenzproblemen Potenzmittel helfen. Diese ermöglichen eine Erektion auch bei einer geringen sexuellen Stimulation, indem Sie die Botenstoffe des Gehirnes verstärken. Langfristig ist bei einer Porno-induzierten Impotenz aber ein Entzug notwendig, das bedeutet einen kompletten Verzicht auf jegliches pornographische Material. Das Gehirn hat so die Möglichkeit sexuelle Reize neu zu entdecken und bei realem Geschlechtsverkehr stimuliert zu werden. Es gibt zwar keine offizielle Diagnose der Porno-induzierten Impotenz und damit auch keine zugelassene Behandlung. Jedoch wird der Entzug von vielen Experten empfohlen.

Potenz-Garantie nur durch Verzicht?

Zwar ist die Porno-induzierte erektile Dysfunktion ein studiertes Phänomen, jedoch ist sie eine Randerscheinung. Pornografie kann Männer sexuell desensibilisieren und die Empfindung beim realen Geschlechtsverkehr kann darunter leiden. Damit es aber zu einer erektilen Dysfunktion kommt ist jedoch ein extensiver Pornokonsum oder ein Konsum von harten Fetischen vorausgesetzt.

Die Gefahr bei Teenagern jedoch ist größer, da sich das sexuelle Empfinden mit Pornografie entwickelt. Dieses Problem wird sich mit immer leichterem Zugang der Kinder und Teenager zum World Wide Web aller Voraussicht nach verschlimmern. Aufklärung und die Kontrolle der extremen pornographischen Inhalte wird daher immer öfter diskutiert werden müssen.

Foto: © Tomasz Zajda – Fotolia.com

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